Marktkommentar August 2025

Werbemitteilung | Die starken Quartalszahlen – insbesondere aus dem Technologiesektor – trieben die US-Börsen jüngst auf neue Rekordstände. Gleichzeitig belasten Konjunkturschwäche und hohe Bewertungen das Marktumfeld, was zusammen mit einem traditionell schwachen September die Wahrscheinlichkeit von Gewinnmitnahmen erhöht und die Erwartungen an baldige Zinssenkungen befeuert.

19. August 2025

6,6 min.

Alexander Reich

Bulle und Bär, die beiden Symbole für positive und negative Kursentwicklungen an der Börse, als kleine goldene Briefbeschwerer.

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Das Wichtigste in Kürze*:

• Starke Zahlen im zweiten Quartal, vor allem aus dem Technologiesektor, trieben die US-Indizes auf Rekordstände.
• Die US-Konjunktur zeigt Schwäche, was die Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen ab September verstärkt.
• Hohe Bewertungen, vor allem in den USA, treffen auf einen saisonal schwachen September, was Gewinnmitnahmen begünstigen könnte.

* „Das Wichtigste in Kürze“ wurde von einer künstlichen Intelligenz generiert.

Rückblick: Quartalszahlen beflügeln Märkte

Im Juli prägten positive Trends das Marktgeschehen. Die US-Indizes erreichten Rekordstände, beflügelt von den überzeugenden Quartalszahlen großer, vor allem technologielastiger Unternehmen. Zugleich sorgten Ankündigungen mehrerer neuer US-Handelsabkommen mit Japan, der EU und weiteren Staaten – teils mit reziproken Zöllen von 15 % und umfangreichen Investitionszusagen – für zusätzlichen Rückenwind.

In Europa bewegten sich die Leitindizes moderat: Der DAX legte um 0,7 % zu und behauptete damit sein starkes Jahresplus von 20,9 %. Der Euro STOXX 50 wies mit einem leichten Plus von 0,3 % eine verhaltene Dynamik auf. Der breiter gefasste STOXX Europe 600 stieg um 0,9 %. Im DAX fielen die zweistelligen Monatsgewinne von Commerzbank (+19,5 %) und Deutsche Bank (+16,0 %) auf, die ihre beeindruckenden Jahresgewinne auf 108,6 % bzw. 77,4 % ausbauten. Dagegen verbuchte Adidas mit −15,7 % einen deutlichen Rückschlag und bleibt mit −29,0 % auf Jahressicht unter Druck. Unter den europäischen Schwergewichten stach L’Oréal mit einem Plus von 7,2 % hervor, während Novo Nordisk mit einem Minus von 28,5 % eine markante Korrektur erlitt und seit Jahresbeginn fast die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt hat.

In den USA zeigten sich die großen Indizes überwiegend fester: Der S&P 500 legte um 2,2 % zu, der NASDAQ 100 sogar um 2,4 %. Der S&P 500 Information Technology, der von Technologiewerten dominiert wird, verzeichnete mit +5,2 % den stärksten Zuwachs. Unter den „Magnificent 7+” setzten Nvidia mit einem Plus von 12,6 % und Alphabet mit einem Plus von 8,9 % deutliche Akzente, wohingegen Tesla mit einem Minus von 3,0 % und Apple mit einem Plus von 1,2 % hinter der Marktbreite zurückblieben. Die kleineren US-Indizes entwickelten sich moderater: Der Russell 2000 legte um 1,7 % zu, bleibt mit −0,7 % im Jahresverlauf jedoch im Minus. In Asien stieg der CSI 300 um 3,5 %, der Nikkei 225 legte um 1,4 % zu. Der Hang Seng erzielte mit +2,9 % einen soliden Monatsgewinn und bestätigte sein starkes Jahresplus von 23,5 %.

Das Marktsentiment zeigte ein gemischtes Bild: Der VIX notierte bei 16,7 und der VDAX bei 17,9, beide mit leicht rückläufiger Tendenz. Der RSI des DAX lag bei 50, der des Euro STOXX 50 bei 47 und der des S&P 500 bei 72. Damit ist Letzterer in den überkauften Bereich vorgestoßen. Auch der S&P 500 Information Technology mit einem RSI von 75 signalisiert ein technisch überhitztes Niveau.

Unter den europäischen Aktiensektoren verzeichneten Energieunternehmen mit +5,6 % die beste Performance, dicht gefolgt von Finanzwerten mit +4,9 %, die von hohen Bankgewinnen profitierten. Am unteren Ende lagen Technologie mit −5,6 % und Kommunikationsdienste mit −3,4 % deutlich im Minus, während auch zyklische Konsumgüter und das Gesundheitswesen schwächelten.

In puncto Investmentstile zeigten sich europäische Value-Werte mit einem Plus von 2,5 % klar überlegen. Mid Caps und Small Caps konnten mit einem Plus von 1,3 bzw. 1,4 % ebenfalls zulegen. Growth-Titel verloren hingegen 0,9 % und blieben damit hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück.

Die Rohstoffmärkte waren von deutlichen Divergenzen geprägt. So verteuerte sich Brent-Rohöl um 9,5 % auf 73 USD je Barrel, während Gold um 0,3 % auf 3.299 USD leicht stieg. Silber legte um 1,9 % auf 36,78 USD zu, während Kupfer um 1,9 % auf 9.653 USD nachgab.

Am europäischen Anleihemarkt verbuchten Nachranganleihen mit +0,9 % den größten Zuwachs. Unternehmensanleihen stiegen um 0,5 %, während Pfandbriefe nahezu unverändert blieben. Staatsanleihen gaben leicht nach, vor allem im längeren Laufzeitsegment. Renten entwickelten sich ebenfalls gemischt: Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten legten um 0,4 % zu, während langfristige Unternehmensanleihen um 0,6 % stiegen, auf Jahressicht aber im Minus liegen. Bei den zehnjährigen Renditen stiegen deutsche Staatsanleihen um zehn Basispunkte auf 2,70 %, US-Treasuries zogen um acht Basispunkte auf 4,35 % an.

Am Devisenmarkt wertete der Euro im Juli um 3,2 % gegenüber dem US-Dollar ab, wodurch der EUR/USD-Kurs auf 1,141 sank. Euro-Anleger erzielten damit seit Jahresbeginn eine währungsbereinigte Rendite von 0,3 % im NASDAQ 100 und von −2,2 % im S&P 500. Bitcoin verteuerte sich um 8,6 % auf 116.281 USD, Ethereum legte um 49,9 % auf 3.731 USD zu.

Ausblick: Märkte vor einem unsicheren Herbst

Eine Vielzahl von Aktienmärkten notiert, getrieben durch solide Unternehmensgewinne im Rahmen der Q2-Berichtssaison, auf oder nahe ihren Rekordständen. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit hinsichtlich des weiteren Verlaufs zu. Die Handelsbarrieren, welche durch Donald Trumps Zollpolitik aufgebaut wurden, drohen das globale Wachstum kurzfristig zu belasten. In unserem Basisszenario gehen wir zwar von einer mittelfristigen Einigung zwischen den USA und dem überwiegenden Teil ihrer Handelspartner auf moderatere Zollsätze von etwa 15 % aus, anhaltend hohe Sätze könnten jedoch erhebliche Bremsspuren hinterlassen – insbesondere in exportorientierten Volkswirtschaften wie der Schweiz. Die Eidgenossen haben nach gescheiterten Verhandlungen mit einem Zollsatz von 39 % zu kämpfen.

Gleichzeitig schwächt sich die US-Konjunktur ab: Der jüngst veröffentlichte Arbeitsmarktbericht fiel überraschend schlecht aus. Im Juli schuf der US-Arbeitsmarkt deutlich weniger Stellen als erwartet und die Revision der Zahlen für Juni und Mai zeigt ein schlechteres Bild der US-Wirtschaft als bisher angenommen. Diese Entwicklung befeuert die Erwartung kräftiger Zinssenkungen. Die im September anstehende Notenbanksitzung wird insofern Klarheit bringen. Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gilt als sehr wahrscheinlich, aber auch ein großer Zinsschritt um 50 Basispunkte scheint möglich. Zinssenkungen könnten dem Markt weiteren Auftrieb verleihen, sofern die Wirtschaft nicht in eine Rezession gerät.

Die kräftige Rallye vieler Aktienindizes seit Jahresbeginn wirft jedoch auch Bewertungsfragen auf. In den USA liegt das Forward-KGV des S&P 500 bei fast 25, während Europa mit einem niedrigeren Bewertungsniveau, aber auch einer schwächeren Gewinnentwicklung aufwartet. Historisch betrachtet ist der September an den Aktienmärkten einer der schwächsten Monate des Jahres. In vielen Leitindizes zeigt sich eine unterdurchschnittliche Performance, oft begleitet von erhöhter Volatilität. In einem ohnehin fragilen makroökonomischen Umfeld könnte diese Saisonalität kurzfristige Korrekturen verstärken und taktische Gewinnmitnahmen begünstigen.

Kurzfristige Rücksetzer könnten selektiv Einstiegsgelegenheiten bieten, insbesondere in strukturell dominanten Wachstumsfeldern wie künstliche Intelligenz und Energieinfrastruktur. Die Märkte befinden sich somit an einem Wendepunkt zwischen der Hoffnung auf geldpolitische Unterstützung und der Gefahr einer sich selbst verstärkenden Wachstumsabkühlung. Während unser Basisszenario moderates Wachstum und sinkende Zinsen vorsieht, bleibt der Pfad vorerst volatil.

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Über den Autor

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About the Author: Alexander Reich

verantwortet das Portfoliomanagement mit dem Schwerpunkt Multi-Asset-Strategien. Darüber hinaus ist er CIIA/CEFA-Charterholder sowie Leiter des Anlageausschusses der PVV AG.
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