Marktkommentar Juli 2026

Werbemitteilung | Die Kapitalmärkte waren zuletzt von gegensätzlichen Entwicklungen geprägt: Während sinkende Ölpreise Inflations- und Konjunktursorgen linderten, sorgten eine weiterhin restriktive US-Notenbank sowie eine Umschichtung von großen Technologiewerten in breitere Marktsegmente für Gegenwind. Der KI-Boom bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber, doch Investoren achten zunehmend darauf, ob sich die hohen Investitionen in Form von Produktivitätsgewinnen, höheren Margen und steigenden Cashflows auch wirtschaftlich auszahlen. Langfristig wird genau dieser Nachweis über die Nachhaltigkeit des aktuellen KI-Zyklus entscheiden.

31. Juli 2026

8,8 min.

Alexander Reich

Bulle und Bär, die beiden Symbole für positive und negative Kursentwicklungen an der Börse, als kleine goldene Briefbeschwerer.

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Das Wichtigste in Kürze*:

• An den Kapitalmärkten war der Juni von deutlichen Gegensätzen geprägt. Einerseits entlasteten fallende Ölpreise die Inflations- und Konjunktursorgen, andererseits bestimmten eine restriktivere US-Notenbank, starke Einzeltitelbewegungen und eine Rotation aus großen Technologiewerten in breitere Marktsegmente das Bild.
• Der KI-Boom bleibt ein zentraler Markttreiber, muss seinen wirtschaftlichen Nutzen jedoch zunehmend belegen. Über die Nachhaltigkeit des Zyklus entscheiden langfristig nicht allein Infrastrukturinvestitionen, sondern messbare Produktivitätsgewinne, Margenverbesserungen und steigende Cashflows.

* „Das Wichtigste in Kürze“ wurde von einer künstlichen Intelligenz generiert.

Rückblick: Entlastung durch Ölpreisrückgang

Der Juni war an den Kapitalmärkten ein Monat mit ungewöhnlich vielen Gegensätzen: Einerseits sorgten die Hoffnungen auf eine Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran für deutlich fallende Ölpreise und damit für eine spürbare Erleichterung hinsichtlich der Inflations- und Konjunktursorgen. Andererseits blieb die Stimmung von Brüchen geprägt, da der Rekord-Börsengang von SpaceX, robuste Unternehmensgewinne und das anhaltende KI-Momentum zwar Risikobereitschaft signalisierten, eine restriktivere US-Notenbank und eine sichtbare Rotation aus großen Technologiewerten in Nebenwerte und defensivere Marktsegmente jedoch die Marktbewegungen prägten.

In Europa stieg der STOXX Europe 600 um 2,5 % auf 642 Punkte, während der Euro STOXX 50 mit einem Plus von 4,6 % auf 6.328 Punkte deutlich stärker tendierte. Der DAX blieb mit einem Rückgang von 0,4 % auf 24.996 Punkte hinter den übrigen europäischen Leitindizes zurück. Innerhalb des DAX fielen ausgeprägte Einzeltitelbewegungen auf: Während Bayer 32,4 % gewann und MTU Aero Engines 16,6 % zulegte, belasteten Bayerische Motoren Werke mit -23,7 %, Rheinmetall mit -22,4 %, Volkswagen mit -18,5 % und Deutsche Telekom mit -17,1 % den Index. Auffällig waren zudem die extremen Jahresentwicklungen einzelner DAX-Werte: Infineon Technologies verzeichnete einen Anstieg von 119,9 % seit Jahresbeginn, während Bayerische Motoren Werke mit einem Rückgang von 35,2 %, Rheinmetall mit einem Rückgang von 34,9 % und SAP mit einem Rückgang von 34,2 % zu den schwächsten Titeln zählten. Bei den GRANOLAS ragte ASML mit einem Monatsgewinn von 24,3 % und einer Jahresperformance von 87,5 % heraus. LVMH blieb trotz eines leichten Monatsanstiegs von 2,3 % seit Jahresbeginn mit -23,7 % deutlich negativ.

In den USA zeigte sich eine Divergenz zwischen kapitalisierungsgewichteten und breiter gefassten Marktsegmenten. Während der S&P 500 1,1 % auf 7.499 Punkte verlor und der NASDAQ 100 leicht um 0,2 % auf 30.276 Punkte nachgab, stieg der S&P 500 Equal Weight um 2,2 % auf 8.627 Punkte. Noch stärker entwickelten sich kleinere und mittlere Unternehmen: So gewann der Russell 2000 3,6 % auf 3.024 Punkte und der S&P 400 MidCap legte 3,4 % auf 3.853 Punkte zu. Der Technologiesektor im S&P 500 fiel im Monatsverlauf um 3,3 %, blieb seit Jahresbeginn mit 19,4 % jedoch klar positiv. Innerhalb der „Magnificent 7+” belasteten insbesondere Microsoft mit -17,2 %, Amazon mit -11,9 % und Meta Platforms mit -10,9 %. Demgegenüber verzeichnete Eli Lilly einen Monatsgewinn von 8,5 %. Auch auf Jahressicht blieben die Unterschiede markant: Microsoft lag bei -22,5 %, Meta Platforms bei -14,5 %, während NVIDIA mit 7,4 % und Alphabet mit 14,3 % im positiven Bereich notierten. In Asien stieg der Nikkei 225 um 5,6 % auf 70.062 Punkte und erreichte seit Jahresbeginn eine im internationalen Vergleich sehr starke Entwicklung von 39,2 %. Der CSI 300 gewann 1,8 % auf 4.979 Punkte und lag seit Jahresbeginn bei 7,5 %. Der Hang Seng verlor dagegen 9,1 % auf 22.881 Punkte und wies mit -10,7 % seit Jahresbeginn eine deutlich schwächere Marktverfassung auf.

Das Marktsentiment blieb uneinheitlich. Während der VIX im Monatsverlauf auf 16,5 Punkte stieg, ging der VDAX auf 16,6 Punkte zurück. Die relative Stärke der großen Aktienindizes bewegte sich überwiegend im neutralen bis oberen neutralen Bereich. Der RSI des DAX lag bei 55,0 Punkten, der des Euro STOXX 50 bei 64,0 Punkten und der des S&P 500 bei 62,0 Punkten. Es ergaben sich somit keine technisch überverkauften Signale, während die US-Marktbreite im S&P 500 Equal Weight mit einem RSI von 73 Punkten bereits in den überkauften Bereich vorstieß. Auch der S&P 400 MidCap erreichte mit einem RSI von 71 Punkten eine überkaufte Zone. Solche Extremwerte können auf eine mögliche Trendwende im Markt hindeuten.

Unter den europäischen Aktiensektoren dominierten Finanzwerte mit einem Monatsplus von 6,0 %, dicht gefolgt von Technologie mit 5,7 %, Versorgern mit 5,1 % und Gesundheit mit 4,8 %. Besonders auffällig war die Technologiebranche auch auf Jahressicht mit einem Anstieg von 48,9 %. Die schwächste Entwicklung war bei Kommunikationsdiensten mit -7,6 %, Energie mit -6,8 % und Grundstoffen mit -3,6 % zu beobachten. Trotz des deutlichen Monatsrückgangs blieb Energie mit 20,2 % im Plus, während Kommunikationsdienste mit -3,1 % und zyklischer Konsum mit -9,8 % weiterhin negativ tendierten.

Bei den europäischen Investmentstilen schnitten Large Caps mit 3,3 % am besten ab. Growth und Value legten jeweils um 3,1 % zu und entwickelten sich damit nahezu gleichgerichtet. Mid Caps erzielten mit 1,3 % einen moderaten Monatsgewinn, während Small Caps mit -2,9 % deutlich zurückblieben. Auf Jahressicht lagen Value mit 11,0 %, Mid Caps mit 10,8 % und Growth mit 10,5 % eng beieinander, während Small Caps mit 5,2 % deutlich zurückblieben.

Im Juni verzeichneten die Rohstoffmärkte ausgeprägte Preisrückgänge. So fiel Brent-Rohöl um 20,5 % und schloss bei 73 US-Dollar je Barrel. Silber gab um 22,4 % auf 59 US-Dollar je Unze nach und auch Gold verlor mit 11,4 % deutlich an Wert und schloss bei 4.026 US-Dollar je Unze. Kupfer entwickelte sich vergleichsweise stabiler, sank jedoch ebenfalls um 2,1 % auf 13.365 US-Dollar je Tonne. Auf Jahressicht blieb Brent mit 19,7 % im Plus, während Silber mit -18,3 % und Gold mit -7,8 % negativ notierten.

Europäische Rentenanlagen entwickelten sich im Juni überwiegend positiv. Nachranganleihen in Euro stiegen um 0,6 % und erreichten seit Jahresbeginn ein Plus von 1,5 %. Pfandbriefe in Euro legten um 0,5 % zu und verbesserten sich seit Jahresanfang um 1,1 %. Euro-Staatsanleihen gewannen ebenfalls 0,5 % und standen auf Jahressicht bei 1,3 %. Unternehmensanleihen in Euro erzielten mit 0,6 % einen Monatsgewinn und lagen seit Jahresbeginn bei 1,4 %. Im Laufzeitsegment der kürzeren Pfandbriefe stiegen Papiere mit Laufzeiten von einem bis drei Jahren um 0,3 %. Staatsanleihen mit Laufzeiten ab fünf Jahren legten um 0,6 % zu, während Staatsanleihen mit Laufzeiten ab sieben Jahren mit 0,7 % etwas stärker abschnitten. Kurzlaufende Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahren gewannen 0,4 %. Die stärkste Bewegung innerhalb der Unternehmensanleihen zeigte das Laufzeitsegment ab 15 Jahren mit einem Anstieg von 1,3 % und einer Jahresperformance von 3,2 %. Unternehmensanleihen ex Finanzen mit Laufzeiten von einem bis drei Jahren stiegen um 0,3 % und blieben damit im kurzen Laufzeitbereich defensiver. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen schloss bei 2,83 % und sank im Monatsverlauf um 12 Basispunkte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag zum Monatsende bei 4,36 % und ging um 9 Basispunkte zurück. Zweijährige deutsche Staatsanleihen rentierten bei 2,51 % nach einem Rückgang um 5 Basispunkte. Zweijährige US-Staatsanleihen schlossen bei 4,10 % und stiegen um 7 Basispunkte.

Am Devisenmarkt wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar ab. Der EUR/USD-Kurs lag zum Monatsende bei rund 1,14. Kryptowährungen entwickelten sich ebenfalls schwach. So fiel Bitcoin im Monatsverlauf und notierte zum Monatsende bei 58.530 US-Dollar. Auch Ethereum gab nach und schloss bei 1.569 US-Dollar.

Ausblick: Warum der KI-Boom jetzt liefern muss

Die Diskussion um den KI-Boom wird derzeit oft auf die Bewertung großer Technologieaktien reduziert. Das ist zwar nachvollziehbar, greift aber möglicherweise zu kurz.

US-Aktien sind nach der kräftigen Rally nicht mehr günstig. Vor allem die großen Gewinner des KI-Trends handeln auf Bewertungsniveaus, die nur durch weiterhin hohe Gewinnzuwächse gerechtfertigt sind. Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass ambitionierte Bewertungen allein selten ausreichen, um einen Aufwärtstrend nachhaltig zu beenden. Es wird meist dann kritisch, wenn Finanzierungskosten deutlich steigen, Liquidität knapper wird und die Unternehmensgewinne unter Druck geraten.

Ein solches Umfeld ist aktuell noch nicht erkennbar. Zwar wirkt die Geldpolitik weiterhin restriktiv, doch die Märkte rechnen bislang nicht mit einem ausgeprägten Zinsschock. Gleichzeitig liefern viele Unternehmen aus dem KI-Umfeld weiterhin starke Ergebnisse und der Investitionszyklus bleibt intakt.

Entscheidend dürfte daher weniger die Frage sein, ob Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon oder Meta zu viel in KI-Infrastruktur investieren. Der eigentliche Prüfstein liegt auf der Nachfrageseite.

In den kommenden Jahren werden enorme Summen in Rechenzentren, Chips, Cloud-Kapazitäten, die Stromversorgung und Software fließen. Diese Investitionen sind jedoch nur dann nachhaltig, wenn die Kunden der KI-Wertschöpfungskette daraus messbare wirtschaftliche Vorteile ziehen können. Unternehmen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Industrie, Gesundheitswesen und Handel müssen zeigen, dass KI nicht nur Effizienzversprechen liefert, sondern auch die Produktivität erhöht, die Margen verbessert und die Cashflows stärkt.

Genau hier liegt die zentrale Parallele zu früheren Technologiezyklen. Nicht jede bahnbrechende Infrastruktur führt automatisch zu attraktiven Renditen für alle Beteiligten. Der Wendepunkt entsteht häufig erst, wenn die Anwenderseite die hohen Erwartungen nicht mehr erfüllen kann und die Investitionsbudgets entsprechend angepasst werden.

Bislang gibt es dafür jedoch noch keine eindeutigen Hinweise. Die Unternehmensgewinne bleiben robust, Kapital fließt weiterhin in KI-nahe Geschäftsmodelle und die Liquidität am Markt unterstützt den nächsten Investitionsschub.

Der KI-Zyklus dürfte somit nicht allein an hohen Bewertungen oder den Investitionen der Hyperscaler entschieden werden. Ausschlaggebend wird sein, ob die breite Unternehmenslandschaft aus KI dauerhaft einen ökonomischen Mehrwert ableiten kann. Erst wenn dieser Nachweis ausbleibt, könnte aus einem Bewertungsrisiko ein fundamentales Risiko für den gesamten KI-Bereich werden.

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Über den Autor

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About the Author: Alexander Reich

verantwortet das Portfoliomanagement mit dem Schwerpunkt Multi-Asset-Strategien. Darüber hinaus ist er CIIA/CEFA-Charterholder sowie Leiter des Anlageausschusses der PVV AG.
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