Marktkommentar Juli 2025

Werbemitteilung | Der US-Aktienmarkt verzeichnete im Juni dank starker Kursgewinne bei KI-Schwergewichten eine bemerkenswerte Rally. Während die Börsen in den USA und Asien deutlich zulegen konnten, zeigten sich europäische Leitindizes vergleichsweise schwächer. Trotz hoher Bewertungen in den USA erscheinen Märkte wie Japan und Indien fundamental attraktiv – ein nachhaltiger Erfolg selektiver Substanzwerte bleibt jedoch von gezielten Impulsen abhängig.

24. Juli 2025

7,1 min.

Alexander Reich

Bulle und Bär, die beiden Symbole für positive und negative Kursentwicklungen an der Börse, als kleine goldene Briefbeschwerer.

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Das Wichtigste in Kürze*:

• Angetrieben von KI-Schwergewichten zeigte der US-Aktienmarkt im Juni eine beeindruckende Rally.
• Während die USA und Asien mit teils kräftigen Kursgewinnen überzeugten, verloren europäische Leitindizes an Schwung.
• Die Bewertung von US-Aktien ist hoch, während Märkte wie Japan oder Indien fundamental attraktiv erscheinen. Ohne entsprechenden Impuls bleibt der Erfolg selektiver Substanzwerte jedoch unsicher.

* „Das Wichtigste in Kürze“ wurde von einer künstlichen Intelligenz generiert.

Rückblick: Liberation Day verdaut

Im Juni kehrten die globalen Aktienmärkte zu ihren altbekannten Verhaltensmustern zurück. Getragen von der Dominanz weniger US-amerikanischer Technologie- und KI-Werte legte der US-Aktienmarkt deutlich zu, während die positive Dynamik in Europa nachließ. In Europa zeigten sich rückläufige Tendenzen: So gab der DAX um 0,4 % nach, der Euro STOXX 50 verlor 1,2 % und der STOXX Europe 600 sogar 1,3 %. Besonders auffällig war der starke Kursverlust bei Symrise: Dessen Aktien fielen um 13,7 %, begleitet von einer ebenfalls deutlich negativen Jahresperformance von −10,9 %. Auch Zalando und Adidas verzeichneten zweistellige Rückgänge im Monatsverlauf. Dem gegenüber standen solide Zuwächse bei Siemens Energy (+15,0 %) und Heidelberg Materials (+15,9 %), letzteres mit einer beeindruckenden YTD-Performance von 70,3 %. Die USA hingegen erlebten einen breiten Aufschwung. Der NASDAQ 100 stieg um 6,3 %, getragen von kräftigen Gewinnen bei Meta Platforms (+14,1 %) und NVIDIA (+16,9 %), die beide zur Gruppe der „Magnificent 7+” gehören. Auch der S&P 500 legte um 5,0 % zu. Der gleichgewichtete S&P 500 legte hingegen nur um 3,2 % zu, was auf die Dominanz einzelner Großunternehmen im Leitindex hindeutet. In der zweiten Reihe konnten der S&P 400 MidCap (+3,4 %) und der Russell 2000 (+5,3 %) aufholen. In Asien setzte sich der positive Trend fort: Der Nikkei 225 kletterte um 6,6 %, der Hang Seng glänzte mit einem Plus von 3,4 %. Der chinesische CSI 300 legte um 2,5 % zu, wenngleich seine Jahresperformance weiterhin stagnierte.

Insgesamt deutete das Marktsentiment auf eine moderate Risikoneigung hin. Sowohl der VIX als auch der VDAX zeigten einen rückläufigen Trend und signalisierten nachlassende Marktsorgen: Der VIX sank auf 16,7 Punkte, der VDAX auf 18,4 Punkte. Der relative Stärkeindex (RSI) wies für den DAX einen Wert von 55 und für den Euro STOXX 50 einen Wert von 50 auf und zeigte somit keine überkauften Märkte an. Beim S&P 500 lag der RSI bei 57, was auf einen stabilen, aber nicht überdehnten Markt hindeutet. Auffälligkeiten bei überkauften oder überverkauften Niveaus waren in keinem der Leitindizes festzustellen.

In Europa stach der Versorgersektor mit einem Zuwachs von 1,3 % positiv hervor und war damit im Juni der stärkste Sektor. Energieaktien legten ebenfalls zu (+3,1 %), während der Industriesektor mit einem Anstieg um 1,0 % eine stabile Entwicklung zeigte. Deutlich unter Druck gerieten hingegen Konsumwerte: Die Bereiche Konsumgüter des täglichen Bedarfs (-5,5 %) und zyklischer Konsum (-4,3 %) wiesen die schwächsten Monatsverläufe auf. Auch der Gesundheitssektor zeigte mit −3,1 % eine anhaltend schwache Tendenz.

Unter den europäischen Investmentstilen setzte sich der Aufwärtstrend bei Small Caps mit einem Plus von 0,9 % fort. Mid Caps entwickelten sich mit einem Plus von 0,5 % ebenfalls stabil. Im Gegensatz dazu verloren Large Caps (-1,5 %), Value (-1,1 %) und Growth (-1,5 %) deutlich an Boden.

Am Rohstoffmarkt war Silber mit einem Anstieg von 9,4 % der stärkste Performer im Monatsvergleich. Auch Brent-Rohöl verteuerte sich um 5,1 % auf 66 USD je Barrel. Kupfer zeigte sich mit einem Plus von 2,9 % ebenfalls fest, während Gold lediglich um 0,3 % zulegen konnte. Mit einem Monatsschlusskurs von 3.287 USD je Unze hielt es jedoch sein hohes Niveau.

Der europäische Rentenmarkt zeigte ein heterogenes Bild. Unternehmensanleihen legten leicht um 0,3 % zu, während Nachranganleihen mit 0,6 % überdurchschnittlich performten. Pfandbriefe verharrten nahezu unverändert, wobei die Kurzläufer leicht im Plus notierten. Deutlich unter Druck standen hingegen länger laufende Staatsanleihen: Staatsanleihen mit Laufzeiten über sieben Jahren verloren 0,4 %, was sich auch in der Jahresperformance von –1,0 % widerspiegelt. Auch Rentenpapiere mit mittleren Laufzeiten konnten sich dieser Schwäche nicht entziehen. Die Renditen stiegen bei deutschen 10-jährigen Bundesanleihen um 7 Basispunkte auf 2,60 %, während 2-jährige Bundesanleihen um 6 Basispunkte auf 1,85 % zulegten. In den USA gaben die Renditen hingegen nach. Die Renditen 10-jähriger Treasuries fielen um 15 Basispunkte auf 4,27 %, die von 2-jährigen sogar um 20 Basispunkte auf 3,73 %.

Der Devisenmarkt war im Zeichen einer signifikanten Euro-Aufwertung geprägt. Der EUR/USD-Kurs stieg im Monatsverlauf um 3,9 % auf 1,179, sodass sich seit Jahresbeginn eine Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar von bemerkenswerten 13,8 % summiert – eine außergewöhnlich kräftige Bewegung, die die Performance internationaler Anlageklassen aus Sicht eurobasierter Investoren negativ beeinflusst. Infolge dieser massiven Aufwertung fielen die in Euro umgerechneten Renditen der US-Leitindizes seit Jahresbeginn deutlich niedriger aus. Die in Euro bereinigte Jahresperformance des S&P 500 liegt bei -7,3 %, die des NASDAQ 100 bei -5,2 %. Bei den Kryptowährungen war ein gemischtes Bild zu beobachten: Während Bitcoin um 2,3 % auf 107.096 USD stieg, gab Ethereum um 3,2 % auf 2.488 USD nach.

Ausblick: Handelskonflikte statt Sommerpause

Der vergangene Monat hat eindrucksvoll die Widerstandsfähigkeit der globalen Kapitalmärkte gegenüber geopolitischen Störfeuern, geldpolitischer Unsicherheit und protektionistischen Maßnahmen gezeigt. Trotz der Eskalation im transatlantischen Handelskonflikt blieben die Märkte bemerkenswert gelassen. Der S&P 500 erholte sich nach einem temporären Rückschlag infolge der „Liberation Day“-Zölle eindrucksvoll und notierte zuletzt in US-Dollar auf einem neuen Jahreshöchststand – angeführt von wachstumsstarken Technologie- und KI-Werten.

Aus Bewertungsgesichtspunkten sind US-Aktien inzwischen ambitioniert bepreist. Wenngleich die Markterwartungen an die kommende Berichtssaison nicht allzu hoch sind und somit positive Überraschungen möglich erscheinen, könnten Gewinnenttäuschungen bei US-Unternehmen – etwa durch höhere Inputkosten infolge der Zollpolitik – das Potenzial für Rückschläge bergen. Demgegenüber erscheinen ausgewählte Märkte außerhalb der USA, etwa Japan oder bestimmte Schwellenländer wie Indien, fundamental attraktiver.

Allerdings reicht eine Unterbewertung allein selten aus, um Kursgewinne zu erzielen – es braucht einen klaren Katalysator, der Kapitalzuflüsse auslöst und das Vertrauen der Anleger in diese Märkte stärkt.

Einen solchen Katalysator haben wir beispielsweise im Tech-Sektor mit den massiven KI-Investitionen oder im Rüstungs- bzw. Infrastruktursektor durch staatliche Ausgabenprogramme gesehen. Ohne diesen Impuls haben substanzstarke Regionen oder Branchen kaum eine Chance, sich gegenüber dem aktuell stark momentumgetriebenen US-Tech-Segment durchzusetzen. Um dieses Dilemma aufzulösen, empfiehlt sich eine Barbell-Strategie: Taktisch sollte das dominante Momentum des Marktes – insbesondere in den USA und bei KI-getriebenen Technologiewerten – weiterhin genutzt werden, während strategisch Positionen in selektiv unterbewerteten Märkten mit strukturellem Potenzial sukzessive aufgebaut werden.
Gerade in den bevorstehenden Sommermonaten wird sich zeigen, wie wichtig eine taktisch-strategische Ausbalancierung ist. Angesichts anhaltender handelspolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten ist nämlich kaum mit einer echten Atempause zu rechnen. Die Märkte dürften volatil bleiben, ohne ihren Aufwärtstrend zwingend zu brechen. Nur unerwartete Ereignisse, die deutlich von den allgemeinen Markterwartungen abweichen, dürften einen Rückzug aus riskanten Anlagen auslösen. Entscheidend bleibt eine taktisch flexible Aufstellung: das Markt-Momentum nutzen und gleichzeitig gezielt unterbewertete Chancen mit Substanz aufbauen.

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Über den Autor

Alexander Reich

About the Author: Alexander Reich

verantwortet das Portfoliomanagement mit dem Schwerpunkt Multi-Asset-Strategien. Darüber hinaus ist er CIIA/CEFA-Charterholder sowie Leiter des Anlageausschusses der PVV AG.
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