Tipps vom Profi: So geht Vermögensaufbau in Zeiten von Trump

Wie können Anleger in unruhigen Zeiten Vermögen aufbauen? Warum an Aktien(fonds) kein Weg vorbeiführt, erklärt Vermögensverwalter Andreas Schyra.

12. Mai 2025

4 min.

Dr. Andreas Schyra

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Die Unsicherheiten des Trumpismus und der Launen des US-Präsidenten, welche sich im Auf und Ab diverser internationaler Zollvorkehrungen äußern, hatten die Börsen in den letzten Wochen fest im Griff. Neue oder erhöhte Zölle wurden mit sehr dynamisch fallenden Kursen quittiert und deren Aussetzung führte im Regelfall zu Erleichterung und steigenden Aktienkursen. Auf sämtliche dieser Bewegungen zu reagieren, hätte zu keinem guten Ende geführt, weil die Gefahr sehr groß war, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Die Betrachtung des Dax-Chart im bisherigen Jahr 2025 lässt erkennen, dass der Jahresauftakt noch sehr vielversprechend verlief. Mitte März setzten dann jedoch die beschriebenen Verluste ein, welche sich in der kürzeren Vergangenheit wieder relativierten. Die letzten zwei Monate waren von Volatilität geprägt, per Saldo hat dies Nerven gekostet, wer jedoch Ruhe bewahrte, hätte die zwischenzeitlichen Verluste mittlerweile in vielen Märkten schon wieder ausgeglichen.

Die Aufholbewegung der letzten Tage beziehungsweise Wochen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin zahlreiche Unsicherheiten für Herausforderungen bei der Geldanlage sorgen. Es stellt sich also die Frage, wie ein Vermögensaufbau in derartigen Zeiten sinnvoll betrieben werden kann. Wer vergleichsweise jung ist und damit noch einen längeren Anlagehorizont hat, dem bieten sich weiterhin zahlreiche Möglichkeiten ein Vermögen über Wertpapierkäufe aufzubauen.

Ist die Börsenwelt wieder in Ordnung?

Betrachtet man insbesondere die europäischen Kapitalmarktentwicklungen der letzten Monate rein oberflächlich, scheint die Börsenwelt mittlerweile wieder in bester Ordnung zu sein und da Trends an den Märkten gerne fortgeschrieben werden, lassen sich auch positive Zukunftsaussichten ableiten. Der Schein mag jedoch gegebenenfalls trügen, denn im Hintergrund wabern weiterhin zahlreiche ungelöste Themenfelder, von denen jedes einzelne bereits in der Lage wäre, die positive Entwicklung abrupt zu beenden. Jede einzelne Zollankündigung zeigte bereits, wie fragil das Börsengebilde sein kann.

Die Differenzen zwischen Russland und der Ukraine setzen sich trotz ursprünglich vollmundiger Ankündigungen von Trump zur kurzfristigen Beendigung des Krieges weiterhin unvermindert fort. Zugegebenermaßen spielt dieser Konflikt an den Börsen jedoch seit einiger Zeit nur noch eine eher unbedeutende Rolle. Insbesondere der schwelende Konflikt zwischen China und Taiwan hätte jedoch das Potential die Börsen einstürzen zu lassen, soweit es dort zu militärischen Auseinandersetzungen käme.

Ziel dieses Beitrages ist es jedoch nicht, sämtliche Gefahrenpotentiale für die weitere Börsenentwicklung aufzuzählen oder gar Negativargumente zu finden, sondern vielmehr zu zeigen, welche Möglichkeiten sich für den Vermögensaufbau bieten. Da die wenigsten Menschen bereits in jungen Jahren über ein nennenswertes Vermögen verfügen, ist es nicht hilfreich, auf den nächsten Kapitalmarktaufschwung zu warten, bis mit dem Vermögensaufbau begonnen wird, denn niemand ist in der Lage positive wie negative Marktentwicklungen definitiv zu prognostizieren oder gar zu timen. Die Kapitalmärkte bieten jedoch immer Chancen, die es zu nutzen gilt und Risiken, die begrenzt werden sollten.

Die umfangreichen und tiefgreifenden Krisen der vergangenen Jahre haben zahlreichen Menschen, die sukzessive in Kapitalmarktprodukte – insbesondere Aktien – investierten und den Mut behalten haben, zu deutlichen Vermögenssteigerungen verholfen.

Tagesgeldkonto ist keine Alternative

Aufgrund der Unrentabilität von Bankkonten ist es – entgegen der Auffassung unseres letzten Bundeskanzlers – keine Alternative, den eigenen Vermögensaufbau mittels Spar- oder Tagesgeldkonten zu betreiben. Hier sind die Risiken zwar (bis zu gewissen Beträgen) klar begrenzt, gleiches gilt jedoch auch für die damit verbundenen Chancen.

Sinnvoller ist es vielmehr die Kapitalmärkte für den eigenen Vermögensaufbau arbeiten zu lassen und demnach in Wertpapiere wie Aktien beziehungsweise Aktienfonds zu investieren. Der Vermögensaufbau durch Sparpläne ist keine Neuerfindung, sondern schon seit unzähligen Jahren bekannt. Bereits ab geringen regelmäßigen Einzahlungen erfolgt ein vollautomatischer Wertpapiererwerb.

Entscheidend ist es jedoch, in Krisenphasen die ratierliche Zahlung nicht zu verringern oder gar zu unterbrechen. Aufgrund des Cost-Average-Effektes werden Anleger für ihren Mut in herausfordernden Zeiten langfristig belohnt. Die günstigen Erwerbskurse in Baissen führen dazu, dass für den festgelegten Sparbetrag mehr Anteile des Investmentfonds erworben werden. Sobald sich die Kurse wieder erholen, profitieren Sparer davon, wenn die Werte der Fondsbestände mit ansteigen.

Ob in eine gewisse Region, Branche oder doch lieber in einen breiten, global anlegenden Aktienfonds investiert wird, obliegt dem jeweiligen Wissen, der Zusammenstellung unterschiedlicher Invstmentsparpläne und den Einstellungen der Anleger. Der Vermögensaufbau wird davon profitieren, nicht täglich auf die erworbenen Fondsanteile und deren Wert zu schauen, denn dann kann die Gefahr bestehen, nachrichtengetrieben zu spekulieren, statt langfristig anzulegen.

  • Dieser Artikel wurde geschrieben für Das Investment.

Über den Autor

Dr. Andreas Schyra

About the Author: Dr. Andreas Schyra

ist Mitglied des Vorstands der PVV AG und verantwortet das Portfoliomanagement sowie sämtliche Aufsichtsbereiche. Zudem doziert er in finanzwirtschaftlichen Studiengängen an der FOM Hochschule Essen, publiziert Beiträge zu aktuellen Fragestellungen des Finanzwesens und hält Fachseminare beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V.
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