Marktkommentar August 2026

Werbemitteilung | Im Juli profitierten Energie- und Value-Titel, während KI- und Technologiewerte unter steigenden Ölpreisen und höheren Anleiherenditen deutlich litten. Der weitere Ausblick bleibt grundsätzlich konstruktiv, allerdings anfällig für konjunkturelle und geopolitische Risiken. Unterstützend könnten eine geopolitische Entspannung und eine moderate Abkühlung der US-Konjunktur wirken, während steigende Ölpreise und ein schwächerer Arbeitsmarkt die größten Belastungsfaktoren darstellen.

20. August 2026

9 min.

Alexander Reich

Bulle und Bär, die beiden Symbole für positive und negative Kursentwicklungen an der Börse, als kleine goldene Briefbeschwerer.

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Das Wichtigste in Kürze*:

• Während Energie- und Value-Titel im Juli profitierten, gerieten KI- und Technologiewerte deutlich unter Druck. Gleichzeitig sorgten steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen für zusätzlichen Gegenwind.
• Der Ausblick bleibt konstruktiv, aber fragil. Eine geopolitische Entspannung und eine moderate US-Konjunkturabkühlung könnten stützend wirken, während steigende Ölpreise und ein schwächerer Arbeitsmarkt zentrale Risiken darstellen.

* „Das Wichtigste in Kürze“ wurde von einer künstlichen Intelligenz generiert.

Rückblick: Der KI-Trade wankt

Der Juli markierte eine abrupte Wende im KI-Trade: Nach den außergewöhnlichen Kursgewinnen im ersten Halbjahr wurden insbesondere Halbleiter-, Speicherchip- und Rechenzentrumswerte massiv verkauft. Gründe hierfür waren hohe Bewertungen, Zweifel an der kurzfristigen Monetarisierung der KI-Investitionen und der Abbau gehebelter Positionen. Wie fragil die Positionierung geworden war, zeigte der KI-Hedgefonds Situational Awareness, der im Monatsverlauf rund 67 % verlor und unter dem Druck der Verluste den Großteil seines börsennotierten Aktienportfolios an Citadel veräußerte. Gleichzeitig ließ die erneute Eskalation im Iran-Konflikt die Ölpreise steigen und rückte Inflations- und Zinssorgen wieder in den Vordergrund, sodass der Juli von einer ungewöhnlichen Kombination aus Technologieabverkauf, geopolitischem Risiko und erhöhter Marktvolatilität geprägt war.

Der europäische Aktienmarkt entwickelte sich im Juli überwiegend positiv, wobei die Aufwärtsbewegung regional und sektoral unterschiedlich ausfiel, was bedeutet, dass es hier regionale und sektoralen Unterschiede gab. So stieg der DAX um 2,5 % und verzeichnete seit Jahresbeginn einen Zuwachs von 4,7 %. Der Euro STOXX 50 rückte um 0,5 % vor, der breiter aufgestellte STOXX Europe 600 legte um 1,2 % zu. Beide Indizes weisen mit 9,8 % bzw. 9,6 % seit Jahresbeginn deutlich höhere Zuwächse als der DAX auf. Die GRANOLAS gaben im Juli insgesamt um 2,0 % nach und entwickelten sich damit schwächer als der europäische Gesamtmarkt.

An den US-Aktienmärkten stand die Schwäche technologieorientierter Titel einer vergleichsweise stabilen Entwicklung des Gesamtmarktes gegenüber. So gab der S&P 500 lediglich um 0,1 % nach, während der gleichgewichtete S&P 500 um 0,9 % zulegte. Die bessere Entwicklung der gleichgewichteten Variante verdeutlicht, dass sich die Marktbreite außerhalb der größten Unternehmen als robuster erwies. Der NASDAQ 100 verlor dagegen 6,6 %. Auch der Informationstechnologiesektor gab mit 3,5 % merklich nach. Auch Small- und Mid-Caps standen unter Druck: Der Russell 2000 sank um 3,1 %, der S&P 400 MidCap um 2,4 %. Trotz der Verluste im Juli blieb der Russell 2000 seit Jahresbeginn mit 18,1 % vor dem S&P 400 MidCap mit 13,7 %, dem NASDAQ 100 mit 12,0 % und dem S&P 500 mit 9,4 %. Die Magnificent 7+ verzeichneten im Juli insgesamt einen geringen Zuwachs von 0,4 %, seit Jahresbeginn liegen sie jedoch nur 0,5 % im Plus.

In Asien divergierten die Aktienmärkte erheblich. So verlor der chinesische CSI 300 7,9 % und weitete damit seinen Rückgang seit Jahresbeginn auf 0,9 % aus. Der Hang Seng vollzog hingegen eine deutliche Gegenbewegung, stieg um 13,1 Prozent und drehte seine Jahresbilanz mit 1,0 % knapp ins Positive. Der japanische Nikkei 225 korrigierte im Juli um 8,1 %. Ungeachtet dessen blieb Japan mit einem Zuwachs von 27,9 % seit Jahresbeginn der stärkste der betrachteten nationalen Leitmärkte.

Das Marktsentiment signalisierte trotz erheblicher Bewegungen bei einzelnen Aktien und Regionen keine marktübergreifende Stresslage. Der VIX ging auf 16,0 zurück, während der VDAX auf 17,3 anstieg. Die implizite Schwankungsbreite erhöhte sich damit in Deutschland, während sie am US-Markt leicht nachließ. Der RSI des DAX lag bei 61,0 und zeigte ein positives, aber noch nicht überkauftes Momentum. Für den Euro STOXX 50 belief sich der Wert auf 58,0 und bewegte sich ebenfalls im neutralen Bereich. Der RSI des S&P 500 erreichte 49,0 und spiegelte damit ein weitgehend ausgeglichenes Verhältnis zwischen Aufwärts- und Abwärtsdynamik wider. Keiner der drei Leitindizes erreichte die Schwellen von 70 bzw. 30, die eine überkaufte bzw. überverkaufte Marktlage kennzeichnen.

Auf Sektorebene wurde der europäische Aktienmarkt im Juli maßgeblich vom Energiesektor geprägt. Dieser Bereich verzeichnete ein Plus von 16,1 % und erhöhte damit seinen Zuwachs seit Jahresbeginn auf 39,6 %. Finanzwerte legten um 5,8 % zu, Kommunikationsdienstleistungen um 5,0 %. Am anderen Ende der Rangliste verlor der Technologiesektor 12,4 %. Trotz dieses Rückschlags liegt der Sektor seit Jahresbeginn mit 30,5 % im Plus. Die Sektoren Gesundheitswesen und Versorger gaben um 1,8 % bzw. 1,7 % nach, während der Sektor Industrie nahezu unverändert tendierte. Damit führten Energie und Finanzwerte die europäische Sektorentwicklung an, während Technologie mit deutlichem Abstand die schwächste Branche darstellte.

Auch bei den europäischen Investmentstilen setzte sich die Rotation fort. Value gewann 4,3 % und erreichte seit Jahresbeginn ein Plus von 15,9 %. Mit einem RSI von 71,0 befand sich dieser Stil zum Monatsende bereits im überkauften Bereich. Small Caps stiegen um 3,0 %, Mid Caps um 2,1 % und Large Caps lediglich um 0,7 %. Growth verlor hingegen 2,4 %. Damit entwickelten sich Value-Titel sowie kleinere und mittelgroße Unternehmen deutlich besser als wachstumsorientierte und hochkapitalisierte Titel. Seit Jahresbeginn lagen Mid Caps mit 13,1 % vor Large Caps mit 9,8 %, Small Caps mit 8,4 % und Growth mit 7,8 %.

An den Rohstoffmärkten dominierte im vergangenen Monat der kräftige Anstieg des Ölpreises. So verteuerte sich Brent-Rohöl im Juli um 20,2 % und schloss den Monat bei 88 US-Dollar je Barrel ab. Seit Jahresbeginn summierte sich der Preisanstieg damit auf 43,9 %. Kupfer gewann 3,2 % dazu und schloss bei 13.799 US-Dollar je Tonne, was einer Jahresperformance von 10,7 % entspricht. Gold tendierte im Monatsverlauf nahezu unverändert bei 4.027 US-Dollar je Feinunze, lag seit Jahresbeginn jedoch 7,8 % im Minus. Silber verlor weitere 1,8 % auf 58 US-Dollar je Feinunze und verzeichnete mit einem Rückgang von 19,8 % die schwächste Jahresbilanz aller betrachteten Rohstoffe.

Die europäischen Rentenmärkte standen unter dem Einfluss deutlich steigender Kapitalmarktrenditen. Euro-Unternehmensanleihen verloren 1,0 %, sodass sich ihre Wertentwicklung seit Jahresbeginn auf ein geringfügiges Plus von 0,4 % reduzierte. Kurz- bis mittelfristige Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahren gaben lediglich um 0,5 % nach und erwiesen sich damit als vergleichsweise stabil. Besonders stark fiel die Korrektur bei Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von mehr als 15 Jahren aus. Diese verloren 3,8 % und rutschten seit Jahresbeginn mit 0,7 % ins Minus. Die hohe Zinssensitivität langer Laufzeiten spiegelte sich damit unmittelbar in der Kursentwicklung wider. Euro-Pfandbriefe verbilligten sich um 1,0 % und lagen seit Jahresbeginn nahezu unverändert. Papiere mit Laufzeiten von einem bis drei Jahren begrenzten ihren Monatsverlust auf 0,3 % und verzeichneten im Jahresverlauf einen Zuwachs von 0,4 %. Die geringere Duration dämpfte somit den Einfluss des Renditeanstiegs. Bei Euro-Hochzinsanleihen belief sich der Rückgang lediglich auf 0,1 %. Mit einem Jahresplus von 1,4 % waren sie das stärkste Segment innerhalb der betrachteten europäischen Anleihen. Nachranganleihen gaben dagegen um 0,9 % nach, bewahrten seit Jahresbeginn aber einen Ertrag von 0,7 %. Euro-Staatsanleihen verloren auf breiter Basis 1,7 % und liegen seit Jahresbeginn 0,5 % im Minus. Besonders stark gerieten längere Laufzeiten unter Druck: Staatspapiere mit einer Restlaufzeit von mindestens fünf Jahren büßten 2,6 % ein, während Laufzeiten ab sieben Jahren um 2,9 % nachgaben.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg im Juli um 37 Basispunkte auf 3,20 %. Bei zweijährigen deutschen Staatsanleihen betrug der Anstieg 31 Basispunkte auf 2,82 %, wodurch sich die Zinsstrukturkurve im betrachteten Laufzeitabschnitt weiter positiv darstellte. In den USA stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ebenfalls um 37 Basispunkte auf 4,73 %. Zweijährige US-Treasuries rentierten nach einem Anstieg um 19 Basispunkte bei 4,29 %.

Am Devisenmarkt wertete der Euro im Juli gegenüber dem US-Dollar auf und schloss bei 1,15 US-Dollar. Seit Jahresbeginn blieb die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar dennoch schwächer. Bei den Kryptowährungen kam es im Monatsverlauf ebenfalls zu einer Aufwertung: Bitcoin gewann 7,4 % dazu und schloss den Juli bei 62.865 US-Dollar ab, während Ethereum um 18,5 % stieg und den Monat bei 1.860 US-Dollar beendete. Ungeachtet dieser Erholung liegen beide Digitalwerte seit Jahresbeginn deutlich im Minus: Bitcoin verlor in diesem Zeitraum 29,0 %, Ethereum 37,9 %.

Ausblick: Konstruktiv, aber fragil

Die Kapitalmärkte bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld aus geopolitischer Entspannungshoffnung und zunehmenden konjunkturellen Bremsspuren. Fortschritte bei einer möglichen Regelung für die Straße von Hormus könnten die Risikoprämie am Ölmarkt reduzieren und somit einen wichtigen Inflationsfaktor entschärfen. Solange jedoch das iranische Atomprogramm und die Bedrohung des Schiffsverkehrs im Roten Meer nicht nachhaltig gelöst sind, dürfte ein geopolitischer Aufschlag auf den Energiepreisen bestehen bleiben. Für die Märkte ist daher weniger eine endgültige Lösung entscheidend als vielmehr die Aussicht auf berechenbarere Rahmenbedingungen.

Gleichzeitig sendet der US-Arbeitsmarkt erstmals deutlichere Warnsignale. Im Juli gingen außerhalb der Landwirtschaft 23.000 Stellen verloren – Ökonomen hatten mit einem Stellenaufbau gerechnet – stattdessen kühlt der US-Arbeitsmarkt deutlich ab. Zudem wurden die Beschäftigungszuwächse für Mai und Juni zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote blieb mit 4,1 % zwar niedrig, doch das schwächere Beschäftigungs- und Lohnwachstum deutet auf eine nachlassende Dynamik der US-Konjunktur hin. Für Anleger ergibt sich daraus ein ambivalentes Umfeld. Einerseits reduziert die Abkühlung am Arbeitsmarkt den geldpolitischen Straffungsdruck auf die Federal Reserve, was insbesondere Staatsanleihen sowie zinssensitive Wachstumswerte unterstützen kann. Andererseits würde eine weitere Verschlechterung des Arbeitsmarktes die Konsumaussichten und somit die Gewinnperspektiven der Unternehmen belasten.

Insgesamt bleibt das Kapitalmarktbild konstruktiv, aber fragil. Das günstigste Szenario wäre eine Entspannung rund um Hormus bei gleichzeitig moderater Konjunkturabkühlung: sinkender Inflationsdruck, weniger Zinsrisiko und stabile Unternehmensgewinne. Steigende Ölpreise oder ein abrupter Beschäftigungseinbruch würden dieses Gleichgewicht hingegen rasch gefährden. Vor diesem Hintergrund sollten Investoren stärker auf Qualität, solide Bilanzen und robuste Cashflows achten. Die Marktbreite könnte zunehmen, während hoch bewertete Titel im Portfolio anfälliger für Rückschläge bei enttäuschenden Konjunkturdaten bleiben.

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Über den Autor

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About the Author: Alexander Reich

verantwortet das Portfoliomanagement mit dem Schwerpunkt Multi-Asset-Strategien. Darüber hinaus ist er CIIA/CEFA-Charterholder sowie Leiter des Anlageausschusses der PVV AG.
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