Marktkommentar Juni 2026

Werbemitteilung | Im Mai wurden die Kapitalmärkte vor allem von starken Unternehmensgewinnen und der anhaltend hohen Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz getragen, wodurch Technologie- und KI-Aktien besonders deutlich zulegen konnten. Gleichzeitig bleibt die Marktkonzentration auf wenige große Unternehmen hoch, während steigende Zinsrisiken das Umfeld anspruchsvoller machen. Vor diesem Hintergrund gewinnen substanzstarke Value-Aktien sowie Equal-Weight-Strategien zur breiteren Risikostreuung zunehmend an Bedeutung.

29. Juni 2026

8,9 min.

Alexander Reich

Bulle und Bär, die beiden Symbole für positive und negative Kursentwicklungen an der Börse, als kleine goldene Briefbeschwerer.

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Das Wichtigste in Kürze*:

• Die Kapitalmärkte profitierten im Mai maßgeblich von starken Unternehmens-gewinnen und einer anhaltend hohen KI-Nachfrage, was zu einer deutlichen Outperformance von Technologie- und KI-nahen Werten führte.
• Aufgrund der extremen Marktkonzentration und potenzieller Zinsrisiken gewinnt eine Trendwende hin zu substanzstarken Value-Titeln sowie der Einsatz von Equal-Weight-Ansätzen zur Risikostreuung zunehmend an strategischer Bedeutung.

* „Das Wichtigste in Kürze“ wurde von einer künstlichen Intelligenz generiert.

Rückblick: Robuste Märkte getrieben durch KI

Die positive Entwicklung der Kapitalmärkte im Mai wurde maßgeblich durch robuste Unternehmensgewinne, zuversichtlichere Gewinnperspektiven und die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur getragen. Der Aufschwung war zwar global sichtbar, wurde jedoch vor allem von Technologie- und KI-nahen Titeln dominiert. Zusätzlich wirkte sich die Entspannung im Nahen Osten und im Ölsektor stabilisierend aus. Gegen Monatsende führten Hoffnungen auf eine Verlängerung der Waffenruhe sowie auf eine Beruhigung rund um die Straße von Hormus zu deutlich rückläufigen Ölpreisen.

In Europa legte der STOXX Europe 600 um 2,4 % zu. Der DAX schnitt mit 3,3 % und der Euro STOXX 50 mit 2,9 % etwas stärker ab. Innerhalb des deutschen Leitindex ragte Infineon Technologies mit einem Monatsplus von 42,5 % heraus. Die Jahresperformance von 118,6 % war im Vergleich zum übrigen Aktienuniversum ebenfalls außergewöhnlich stark. Auffällig entwickelten sich auch Continental mit 18,8 %, Merck mit 17,7 % und Adidas mit 15,3 %. Münchener Rück blieb mit -11,5 %, RWE mit -10,5 % und Fresenius mit -8,9 % hingegen deutlich zurück. Unter den europäischen Qualitäts- und Wachstumswerten fiel ASML Holding mit einem Monatsplus von 13,3 % sowie 50,8 % seit Jahresbeginn positiv auf. Demgegenüber blieb LVMH trotz eines Monatsanstiegs von 4,8 % mit einem Verlust von 25,5 % seit Jahresbeginn erheblich belastet.

In den USA dominierte eine klare Wachstums- und Technologieführung. Der NASDAQ 100 legte um 10,5 % zu und übertraf damit den S&P 500, der um 5,1 % stieg, deutlich. Der S&P 500 Equal Weight legte lediglich um 2,5 % zu, wodurch die geringere Marktbreite im Vergleich zum kapitalisierungsgewichteten Leitindex sichtbar wurde. Der Russell 2000 legte mit 6,6 % stärker zu als der S&P 400 MidCap mit 2,3 %, blieb in der absoluten Indexfamilie jedoch hinter der Technologiedynamik zurück. Besonders markant war der Technologiesektor innerhalb des US-Marktes, der um 15,9 % zulegte und seit Jahresbeginn mit 23,5 % ebenfalls sehr stark abschloss. Unter den Einzeltiteln der Gruppe „Magnificent 7+” stachen Eli Lilly mit 18,4 %, Apple mit 15,1 %, Tesla mit 14,2 % und Microsoft mit 10,7 % hervor. Zugleich blieb Microsoft trotz der deutlichen Monatserholung seit Jahresbeginn mit -6,5 % negativ und auch Meta Platforms notierte mit -4,1 % unter dem Jahresanfangsniveau.

In Asien verlief die Entwicklung uneinheitlich. Mit 11,9 % erzielte der Nikkei 225 die stärkste Monatsperformance unter den betrachteten großen Aktienmärkten und erreichte mit 31,8 % seit Jahresbeginn auch die auffälligste Jahresbilanz. Der CSI 300 stieg um 1,8 % und lag seit Jahresbeginn bei 5,7 %, während der Hang Seng im Monatsvergleich um 2,3 % nachgab und seit Jahresbeginn leicht negativ bei -1,7 % blieb. Damit stand der ausgeprägten Dynamik des japanischen Aktienmarkts eine schwächere Entwicklung in Hongkong gegenüber, während der chinesische Festlandsmarkt moderat positiv tendierte.

Im Monatsverlauf entspannte sich das Marktsentiment sichtbar. So sank der VIX auf 15,3 und der VDAX ging auf 18,5 zurück. Damit war die implizite Volatilität sowohl am US-amerikanischen als auch am deutschen Aktienmarkt rückläufig. Der RSI des DAX lag bei 60,0 und bewegte sich damit in einem konstruktiven, aber nicht überkauften Bereich. Für den Euro Stoxx 50 wurde ein RSI von 58,0 ausgewiesen, was ebenfalls eine stabile technische Verfassung ohne Extremwert signalisiert. Der S&P 500 erreichte mit einem RSI von 78,0 hingegen einen überkauften Bereich. Nach gängiger technischer Interpretation gelten Werte über 70 als überkauft und können bei ausgeprägten Extremständen eine mögliche Trendwende anzeigen. Ergänzend unterstrich der NASDAQ 100 mit einem RSI von 81,0 die kurzfristig sehr starke technische Verfassung wachstumsorientierter US-Aktien.

Bei den europäischen Aktiensektoren zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern. Mit 16,9 % war Technologie der mit Abstand stärkste Sektor und lag seit Jahresbeginn bereits 40,9 % im Plus. Zyklischer Konsum gewann 7,4 %, blieb mit -10,2 % seit Jahresbeginn jedoch klar negativ, was die Erholung im Mai relativiert. Grundstoffe legten um 5,3 % zu und bestätigten mit 17,3 % seit Jahresbeginn eine robuste Entwicklung. Kommunikationsdienste erreichten 4,0 %, Finanzwerte 3,3 % und der Industriesektor 2,5 %. Auf der Verliererseite standen Energie mit -6,7 % und Versorger mit -4,8 %, wobei der Energiesektor trotz der Monatsverluste seit Jahresbeginn noch 28,9 % im Plus lag.

Bei den europäischen Investmentstilen dominierten wachstumsnahe und kleinere Marktsegmente. Growth stieg um 5,0 % und lag damit im Monatsvergleich deutlich vor Value mit 1,5 %. Auch Small Caps entwickelten sich mit 4,3 % sehr gut, während Mid Caps um 3,0 % und Large Caps um 2,7 % zulegten. Seit Jahresbeginn blieb der Stil Mid Caps mit 9,4 % der stärkste, gefolgt von Small Caps mit 8,4 %, Value mit 7,7 %, Growth mit 7,1 % und Large Caps mit 5,5 %. Die Monatsdaten zeigen somit eine klare Präferenz für Growth und Small Caps, während die Jahresdaten eine ausgewogenere Stilstruktur erkennen lassen.

Besonders deutlich trat Brent-Rohöl an den Rohstoffmärkten hervor. Der Ölpreis fiel im Monatsvergleich um 17,3 % auf 92 US-Dollar je Barrel, seit Jahresbeginn legte er jedoch um außergewöhnliche 50,6 % zu. Gold gab um 1,4 % nach und schloss bei 4.546 US-Dollar je Unze, während Silber um 3,0 % auf 76 US-Dollar je Unze zulegte. Kupfer stieg um 4,3 % auf 13.656 US-Dollar je Tonne und wies mit 9,6 % seit Jahresbeginn ebenfalls eine positive Entwicklung auf. Somit standen den deutlichen Verlusten bei Rohöl eine festere Tendenz bei Industriemetallen und Silber gegenüber, während Gold im Mai leicht nachgab.

Europäische Anleihen entwickelten sich im Mai überwiegend positiv. Nachranganleihen legten um 1,0 % zu und verzeichneten seit Jahresbeginn ein Plus von 0,9 %. Pfandbriefe stiegen um 0,8 %, wodurch sich die Jahresperformance auf 0,6 % erhöhte. Staatsanleihen im Euroraum gewannen 1,1 % hinzu und erreichten seit Jahresbeginn 0,8 %. Unternehmensanleihen stiegen um 0,9 % und liegen im bisherigen Jahresverlauf ebenfalls bei 0,8 %. Bei kürzeren Pfandbriefen mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren betrug der Anstieg im Monat 0,5 %, während kurzlaufende Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von ein bis fünf Jahren um 0,7 % stiegen. Unternehmensanleihen ex Finanzen mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren erreichten 0,5 %, wodurch die kürzeren Kreditsegmente insgesamt moderat positiv tendierten. Deutlich stärker entwickelten sich längere Laufzeiten: Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von 15 Jahren und mehr stiegen um 1,5 %, ebenso Staatsanleihen mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren. Staatsanleihen mit Laufzeiten von mehr als sieben Jahren legten sogar um 1,6 % zu.

Die Entwicklung der Staatsanleiherenditen verlief zwischen Deutschland und den USA gegensätzlich. So sank die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen um 7 Basispunkte auf 2,96 %, während die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen um 8 Basispunkte auf 2,56 % zurückging. In den USA stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen dagegen um sieben Basispunkte auf 4,46 %. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen erhöhte sich um 14 Basispunkte auf 4,03 %. Dadurch fiel der Renditeanstieg am kurzen Ende des US-Marktes stärker aus als bei den zehnjährigen Laufzeiten.

Am Devisenmarkt wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar ab: Der Kurs von EUR/USD gab auf 1,170 nach. Bei den Kryptowährungen setzte sich eine schwächere Entwicklung durch. So fiel Bitcoin auf 73.337 US-Dollar und verlor im Monatsvergleich 3,8 %. Ethereum gab mit 2.007 US-Dollar sogar um 11,0 % nach.

Ausblick: Comeback für Value?

Trotz der durch den Konflikt im Iran ausgelösten Volatilität ist damit zu rechnen, dass sich die Rallye bei Aktien fortsetzen wird. Der fundamentale Ausblick für das globale Wirtschaftswachstum bleibt intakt. Das spricht dafür, dass neben wachstumsorientierten Unternehmen auch substanzstarke Value-Titel wieder mehr in den Fokus rücken werden.

Die Argumente für eine Trendwende zurück zu Value stützen sich auf drei wesentliche Faktoren. Erstens reagieren Value-Aktien historisch gesehen besonders empfindlich auf ein steigendes globales Handelsvolumen, was ihnen bei einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung zugutekommt. Zweitens sind diese Unternehmen weniger stark von Zinsschwankungen betroffen, da sie ihre Gewinne bereits früher realisieren. Sollte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen, könnte die Fed die Zinsen erhöhen, wodurch Value-Titel im Vergleich zu anderen Anlagen gestützt würden. Drittens weisen aktuelle Benchmarks eine extreme Überkonzentration auf, bei der die größten Unternehmen einen unverhältnismäßig hohen Anteil ausmachen. Eine Korrektur dieser Dynamik – beispielsweise durch eine geopolitische Entspannung – könnte die bisher dominierenden Wachstumswerte anfälliger machen.

In diesem Zusammenhang gewinnt die strategische Bedeutung von Equal-Weight-Ansätzen an Relevanz. Als Alternative zur klassischen Marktkapitalisierung reduziert diese Struktur das Klumpenrisiko, da sie die Abhängigkeit von einzelnen Schwergewichten verringert und eine breitere Partizipation an der Marktentwicklung ermöglicht.

Gleichzeitig kann die technologische Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz weiterhin als zentraler Produktivitätshebel betrachtet werden. Da Value-Unternehmen oft niedrigere operative Margen aufweisen, könnten Effizienzgewinne durch KI hier besonders stark den Gewinn pro Aktie beeinflussen. Ungeachtet dessen ist im Bereich der Hyperscaler und großen Technologiekonzerne, die die massiven Kapitalaufwendungen (Capex) für diese Entwicklung tätigen, Vorsicht geboten. Es besteht die Gefahr eines Investitionsüberhangs: Sollten diese Ausgaben nicht durch entsprechende Erträge gedeckt werden, droht aufgrund der komplexen Verflechtungen zwischen diesen Konzernen und ihren Zulieferern eine selbstreferentielle Blasenbildung. Zudem ist die erhoffte, breit wirksame Preisdämpfung durch KI-Effekte in den realwirtschaftlichen Daten bislang noch nicht greifbar. Anleger sollten in diesem Umfeld daher auf eine aktive Portfolioverwaltung setzen.

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Über den Autor

Alexander Reich

About the Author: Alexander Reich

verantwortet das Portfoliomanagement mit dem Schwerpunkt Multi-Asset-Strategien. Darüber hinaus ist er CIIA/CEFA-Charterholder sowie Leiter des Anlageausschusses der PVV AG.
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